Früh übt sich, was eine herausragende Poetry-Slammerin werden will! Beim ersten Kultursack-Poetry-Slam für Nachwuchs-Autorinnen und -Autoren war die Riege der jungen Vortragenden rein weiblich: Nike, Käthe, Ronja, Laura und Johanna stürmten am 20. November in der Familienbildungsstätte (Fabi) Münster die Bühne. Geschrieben hatten die 10- bis 14-Jährigen die Texte in mehreren Workshops des Dramaturgen und Autors Thomas Richhardt. Eltern, Großeltern und Freunde waren in die Fabi gekommen, um den Slammerinnen-Nachwuchs nach Kräften zu unterstützen.

 

„Langsam durchstreifte Saphira die Gänge und zog entspannt die frische Luft ein. Sie ging an den Übungsräumen vorbei und lugte kurz durch eine der angelehnten Türen. In dem großen Raum trainierte gerade eine ihr kaum bekannte junge Frau mit rotem Haar. Sie beschwor gerade einen lodernden Feuerball, der eine angenehme Hitze verbreitete.“

So beginnt die Fantasy-Geschichte „Saphira und die vier Elemente“, vorgetragen von Nike und Käthe. (Hena, die dritte im Bunde der Schreiberinnen, konnte beim Poetry-Slam leider nicht dabei sein). Hauptfigur der Geschichte ist Prinzessin Saphira, Herrscherin über die Elemente Feuer und Erde. Sie kann Feuerbälle schleudern und Erdwälle aus dem Boden zaubern. Als ihre Eltern Marinell und Marc eine Intrige planen und Saphira mit der Ermordung ihrer Tante Sophie, einer Wasser-Luft-Magierin, beauftragen, widersetzt sich die Prinzessin ihren Eltern und es kommt zu einem fürchterlichen Krieg …

 

Als Nächstes spielten Nike und Käthe zusammen mit Ronja ein lustiges Mini-Drama mit dem Titel „Wissen Sie, wo Rotkäppchen wohnt?“ vor.

Auch bekamen die Zuschauerinnen und Zuschauer endlich Antworten auf so interessante Fragen wie „Wo ist die Mitte des Ozeans und warum ziehen die Wellen dorthin?“ und „Wenn alle Flüsse süßes Wasser haben, warum ist der Ozean dann salzig?“.

In Ronjas spannender Geschichte „Die Reise in eine andere Welt“ passiert der Erzählerin ein Missgeschick: Beim Vorlesen ihres Aufsatzes in der Deutschstunde werden sie selbst, ihre Klassenkameraden und die Lehrerin in ihre Geschichte hineingesogen. „Was hast du gemacht, Kind?“, schimpft die Mutter, als sie herbeigerufen wird, und erst als ein Arzt zu Hilfe kommt, löst sich der ganze Spuk wieder auf.

Großen Spaß hatten die Zuschauerinnen und Zuschauer auch, als ihnen der professionelle Slammer und Beatboxer August Klar auf sehr amüsante und anschauliche Weise vorführte, was Beatboxen ist. Beatboxer sind sozusagen Geräusche-Macher, die dafür nichts anderes als ihren Körper benutzen. Mit tatkräftiger Hilfe des Publikums, das Pflanzenfressern, Flugsauriern und Fleischfressern seine Stimmen lieh, verwandelte August den Bühnenraum in einen Jurassic Park.

Eine sehr poetische Frage hatte sich Laura ausgedacht: „Ab welcher Tiefe des Meeres fangen Fische an zu singen?“ Ihre Antwort: Die Fische fangen an zu singen, wenn sie auf der Höhe der Melodie schwimmen. Ebenso zog Lauras in England spielende Detektivgeschichte die Zuschauer in ihren Bann.

Thomas Richhardt ließ es sich nicht nehmen, eine Geschichte von Florian vorzutragen, der wie Hena beim Slam nicht dabei sein konnte. In dieser Geschichte geht es um Elena Schnabel, eine alte Dame, die weiß, dass sie bald sterben wird. Da sie ein großer Fußball-Fan ist, kauft sie sich schon mal einen Grabstein mit einem Bild von ihrem Lieblingsfußballspieler Mats Hummels drauf …

Danach gehörte Johanna der Platz auf dem Sofa. Von dort präsentierte sie dem schmunzelden Publikum ganz locker und sehr humorvoll ihre Gedanken zu der Frage, ob Hunde eigentlich in Gerüchen denken. Natürlich tun sie das! Und wenn sie an einen Laternenpfahl pinkeln, hinterlassen sie interessante Botschaften, die nur andere Hunde, aber natürlich nicht wir Menschen „lesen“ können.

Der Nachmittag endete mit einer tollen Beatboxing-Einlage von August, bei der sowohl die Sirene aus „Police Academy“ als auch eine ganze Kapelle mit Sänger, Trompeter, Drummer und Bassist ihren Auftritt hatten. Sein Tipp für den Autoren-Nachwuchs: „Macht weiter mit dem Slammen. Ich garantiere euch: Ihr werdet immer besser!“

„Die Übung, die mir am meisten gefallen hat, war die 5-Stühle-Übung. Bei  dieser Übung gibt es 5 Stühle, 5 Leute setzen sich hin und bekommen eine Rolle, die sie spielen müssen. Dann werden die Charaktere vom Rest der Gruppe erraten.“

Das schreibt Jung-Autorin Hena in einem Post über einen Kulturrucksack-Workshop bei Thomas Richhardt, den sie in den Herbstferien 2019 besucht hat. Für 2020 sind weitere Workshops und Slams geplant.