Ein Projektbericht von Steffi Bockermann

Acht Mädchen haben bei diesem Projekt mit mir ganz langsam die Türen zu ihren Zimmern geöffnet. Dabei haben wir haben uns gegenseitig persönliche Einblicke gegeben: Wir haben uns davon erzählt, wovon wir träumen, wenn wir auf dem Bett liegen und Musik hören (ganz wichtig: Welche Musik zu welcher Stimmung?). Es ging um Störungen durch Geschwister, allzu neugierige, aber auch sich kümmernde Eltern und Konflikte mit den Freundinnen. Manche Mädchen haben Durchgangszimmer, manche wissen genau, welche Schilder sie vor die Tür hängen möchten. Ihre Räume haben sie in Fotos festgehalten, auch den Blick aus dem Fenster in den Himmel. Und sie haben auch von nächtlicher Angst und Schlaflosigkeit erzählt (siehe Text unten).

Der Prozess war ein langsamer, behutsamer. Wir mussten uns ja erst kennenlernen, bevor wir unsere Türen geöffnet haben. Wir haben zusammen das schauspielen geübt und Texte verfasst (ich habe als Kursleiterin die Texte der Mädchen nur ein ganz klein wenig geschliffen) und diese – ausgehend von biografischen Theaterformen – zu einer Szenencollage zusammengefügt. Für die Inszenierung auf der Bühne haben wir zwei Zimmer gebaut.

Wichtig ist es bei so einem Projekt, die biografischen, sehr persönlichen Erlebnisse so niederzuschreiben und zu inszenieren, dass durch die Ästhetisierung die Privatsphäre der Autorinnen geschützt bleibt. Schließlich haben wir das Produkt unserer Arbeit auf der Werkstattbühne aufgeführt.

Insgesamt haben wir uns von Mai und September 2019 viel öfter in der Aula des Schiller-Gymnasiums gesehen, als ursprünglich vorgesehen und geplant, und die Mädchen würden das gerne immer so weiter machen! Am Ende waren sich alle einig: Das Mädchenzimmer Projekt 2019 war ein schöner, beeindruckender Erfolg!

1 Uhr nachts

1 uhr nachts, mein Wecker klingelt. Warum tut er das? Leuchtet das rote Licht?

Aus irgendeinem Grund bin ich wohl aufgewacht und sehe: Nichts. Höre plötzlich Geräusche und ich bekomme ziemlich Angst. Der Schweiß auf meiner Stirn hat wohl einen Grund. Auch sicher meine eiskalten Füße. Nicht im Sommer. Da ist so ein Körper doch warm. Eigentlich ziemlich scheiße, weil ich morgens so schlecht aus dem Bett komme. Ach ne… stimmt ja gar nicht. Ich wache ja immer früh auf. da. Ich bin ganz durcheinander. Ein Geräusch! Gleich schreie ich und dann kommen Papa und Mama angerannt. Ach ne, die sind ja nicht da. Okay. Ich lese. Aber ich bin zu müde. Da muss mich die Geschichte schon sehr mitnehmen, aber manche Bücher haben das ja schon geschafft. Einmal habe ich doch noch bis drei Uhr gelesen, ich lese ja  nicht regelmäßig, sondern habe meine Lesewochen. Fünf Bücher manchmal in zwei Wochen … Harry Potter alle durchgelesen … Ist das dunkel hier!! Obwohl die Lichterkette ist ja an. Jetzt eine heiße weiße Schokolade, aber es definitiv zu gruselig, als dass ich aufstehen könnte … blablabla, so viele Gedanken, mitten in der Nacht! Ich bin doch zu müde, um hier wach rumzuliegen. Da knarrt doch wieder die dritte Stufe im Treppenhaus. Ich guck Netflix. An den Wochenenden oder in den Ferien suchte ich zu viel in Netflix, aber ich MUSS die Serien durchsuchen, wenn sie so gut sind. 1 uhr zwanzig. Ich lasse meine Gedanken fliegen. Bin ich glücklich, bin ich wenigstens zufrieden so insgesamt gesehen? Weiß ich wenigstens, wer ich sein möchte? Möchte ich älter sein, damit ich hier keine Angst mehr haben müsste … oder was … wieder ein Schaben und leises Treten, diesmal aus dem Keller … mein Kuscheltier, schnell!!…ich zähle Wolken…wann kommen Mama und Papa wieder … 1 Uhr dreißig …

Kontaktdaten:

Stefanie Bockermann
0177/ 679 20 21
steffibockermann@aol.com